

...
dass Debatten ein elementarer Bestandteil von Studium und Untericht
werden. Schon sind wir mitten in einer Debatte. Der
Eröffnungsredner der Regierung tritt
ans Pult und erklärt eindringlich, warum
die Debatte ein hervorragendes
Instrument ist, um Geist und Teamfähigkeit zu
fördern,
Qualifikationen, die gerade in Deutschland viel zu kurz kommen. Aber
eine Debatte
wäre kein ordentliches Streitgespräch, wenn es nicht
einen
ewigen Widersacher gäbe: Die Opposition. In unserem Beispiel
hält diese einen solchen Antrag selbstverständlich
für
blanken Unsinn und legt weiterhin mehr Wert auf formale Bildung...

Aber eins nach dem Anderen:
Sollte Organspende verpflichtend eingeführt werden? Müssen wir Kriegsverbrecher ausliefern? Gibt es ein Recht auf Faulheit? Und sollten wir one-night-stands nicht schlichtweg verbieten? Es gilt, Farbe zu bekennen. Eine Meinung zu bilden und zu verteidigen. Die Fragen sind eindeutig gestellt, das Ergebnis nicht vorhersehbar. Rhetorik und gute Argumentation entscheiden über Sieg oder Niederlage.
Debattierclubs debattieren nach präzisen Regeln zu aktuellen Themen. Die festen Redezeiten, das regulierte Fragerecht und die zugelosten Positionen trainieren Rethorik, Sachkompetenz und teamwork. Zu zweit oder zu dritt müssen komplexe Sachverhalte schnell durchdacht, gegliedert und angemessen präsentiert werden. Debattieren schult nicht zuletzt das aktive zuhören. Denn: Pro und Contra kommen abwechselnd zu Wort, jede Rede widerlegt die vorangegangene. Eine Jury bewertet die Debatte und hilft den Rednern, sich zu verbessern.
Für
das Debattieren sind zahlreiche Regelwerke entwickelt worden bzw. in
konstanter Entwicklung. Die studentische Debattierlandschaft wird
überwiegend von OPD (Offene Parlamentarische Debatte)
und BPS (British Parliamentary Style)
dominiert. OPD ist ein in Deutschland - präziser: ein im
Zentrum
der Dogmatik (= Tübingen) - entwickeltes Regelwerk; BPS -
besonders beliebt zwischen Bonn, Kiel und Berlin - entstammt, wie
bereits der Name nahe legt, dem angelsächsischen Raum und
erreicht
auch international große Bedeutung. Selbstredend sind Vor-
und
Nachteile beider Formate umstritten. Daneben bleibt zu bemerken,
dass nicht einheitlich nach diesen Regelwerken verfahren wird,
sondern durchaus lokaler Wildwuchs besteht. Gemeinsam
ist aber beiden Formaten, daß nicht unbedingt die eigene
Meinung
zu vertreten ist, sondern die Fraktionszugehörigkeit gerade
per
Los entschieden wird. Stets stehen sich pro und contra
bzw.
Regierung und Opposition gegenüber, wobei nicht konkrete
Personen
und Parteien der (Zeit-)Geschichte dargestellt werden dürfen.
Die Grundlagen der Debattendurchführung als auch der Bewertung
sind schriftlich festgehalten. Zu den Regeln...